Schon länger wollte ich einen Artikel über meine Geschichte schreiben, über mein Leben in und mit einer Angst- und Panikstörung und vor allem über meinen Weg der Heilung. Der Beginn, als die Welt um mich herum und besonders in mir begann zu rütteln und zerbrechen, ist gefühlt schon wahnsinnig lange her und irgendwas in mir hat mit Widerstand reagiert immer wenn ich nur daran dachte dazu etwas zu schreiben. Doch heute morgen habe ich ein wunderbares Geschenk bekommen und spüre, dass ich jetzt bereit bin, mich zu öffnen, mein Leben, meinen Weg mit euch zu teilen. Das Geschenk kam von unserem Sohn, der um 4:20 Uhr entschied, dass er wach sei. Aktuell braucht er viel Begleitung und Nähe, so dass die Frage nach eigenem Spiel oder lesen keinen Raum hatte. Im Ersten Moment spürte ich so starke Anspannung aufkommen, in mir regte sich enormer Widerstand, um diese Uhrzeit nach so kurzer Nacht aufzustehen, vor allem da unsere letzten Wochen geprägt waren von nächtlichen Spiel- und Lesestunden, sehr spätem ins Bett gehen und frühem Aufwachen. Gefühlt haben wir ständig gekämpft und ich war und bin ziemlich erschöpft. Nach erneutem belesen im Buch “ So viel Freude so viel Wut“ von Nora Imlau wissen wir jetzt sicher, dass er zu den gefühlsstarken Kindern gehört. Das erleichtert uns obwohl es den Alltag nicht weniger anstrengend macht, denn wir haben doch sehr an uns als Eltern gezweifelt und jetzt haben wir Ideen und Tools für ein entspannteres gemeinsames Leben. Ich denke, dass ich dazu auch noch einen extra Beitrag verfassen werde. Zusätzlich schlafe ich in dieser Schwangerschaft gefühlt zu wenig und wache nachts häufig auf.  Jetzt aber zurück zu heute morgen, ich also total genervt und müde und wollte eigentlich schon darauf bestehen, dass er sich wieder hinlegt, als ich in mir eine Stimme spürte, die mich erinnerte, dass ich jede Sekunde die Wahl und die Verantwortung habe wie ich mich fühlen möchte und wie ich in der Welt sein möchte. Die Müdigkeit war wie weggeblasen und ich stand quasi voll gut gelaunt auf. Als wir entdeckten, dass draussen großartige Luft war und es sich endlich etwas abgekühlt hatte, riss ich alle Fenster und Türen auf und mit dem Schwall frischer, reiner Morgenluft spürte ich beim tiefen Atmen Ruhe und Gelassenheit aufkommen. Anton und ich setzten uns auf unsere Terrasse, kuschelten, hörten den Vögeln zu und unterhielten uns über die Farben des Himmels. Ich bin immer noch so bewegt von diesem Moment und der Schönheit der Welt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal morgens beim Sonnenaufgang dabei war, einfach so der Natur gelauscht habe und diese besondere Nähe mit Anton habe ich tief in meinem Herzen gespeichert. Während Anton dann draussen im Sandkasten spielte, meditierte ich und praktizierte Yoga. Ich habe mich intensiv mit mir verbunden und dabei kamen viele Gedanken auf. Meine Intention für ab sofort ist: Let it flow, Lebe jetzt, Liebe jetzt. Im Hier und Jetzt zu sein ist ein wichtiges Thema für mich und hier kommt der Übergang zu meiner Geschichte – mein Weg in die Heilung begann mit dem Weg zurück in die Verbindung zu mir.

Beginn der inneren Erdbeben – meine erste Panikattacke

Vorab möchte ich schonmal sagen, dass all meine Ängste und meine Panikattacken geprägt sind von Todesangst. Ich hatte/habe Angst zu sterben, jetzt, gleich, später, ob an einer Erkrankung ( hier kommt mir mein medizinisches Wissen über Erkrankungen die in Sekunden, Minuten und auch in klar absehbarer Zeit zum Tod führen sehr zur Hilfe) oder bei einem Unfall, Terroranschlag, Flugzeugabsturz etc. also objektiv und realistisch ganz unrealistische Dinge und doch war die Angst davor viele Jahre, fast 7 Jahre um genau zu sein, mein ständiger Begleiter. Meine erste Panikattacke also, überrollte mich in einer ruhigen Situation im Herbst 2013 auf meiner damaligen Arbeit im SPZ der Kinderklinik in Heidelberg. Ich schrieb einen Bericht über eine Diagnostik und spürte eine explosionsartige Unruhe in mir, mein Puls raste, mein Herz pochte, mir wurde heiss, meine Hände schwitzten, meine Extremitäten waren wie Pudding, in meinem Kopf kribbelte es, ich bekam keine Luft und dachte, jetzt sterbe ich, ich falle hier jetzt sofort tot um. Fluchtartig lief ich ins Schwesternzimmer und ich bin heute noch dankbar, dass einer unserer Ärzte da war, der sofort Blutdruck maß und mich mit seiner ruhigen Art beruhigte. Relativ schnell, ich denke nach 5 Minuten ebbten die meisten Symptome ab. Jetzt fühlte ich mich nur noch erschöpft und ausgelaugt, wie nach einem mentalen Marathon. Ich legte mich zu meiner Freundin, die ihre Berichte schrieb in ein Behandlungszimmer und ruhte mich aus. Denn nach Hause wollte ich nicht, ich hatte große Angst alleine zu sein und das dies nochmal passierte. Ab da begleitete mich tags und nachts eine ständige Unruhe, inneres zittern und kribbeln, häufig schwitzige Hände und immer wieder der Gedanke was das war und die Angst, dass wieder so eine Attacke kommt. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass dies eine Panikattacke war, ich dachte zu allererst an eine organische Problematik, na klar was auch sonst. So begann ich, mich durchchecken zu lassen. Blutabnahmen, 24 h Blutdruck, EKG, MRT -Schädel alles dabei und doch kein Ergebnis, wat fürn Glück eigentlich, doch ich war mit meinen Symptomen so verzweifelt, dass ich irgendwie hoffte, das jemand was findet. Gleichzeitig begann ich da schon mich zurück zu ziehen, ich igelte mich ein, ich wurde stiller, meine Fröhlichkeit musste ich richtig hervor zwingen. Ich war immer müde und die Arbeit, vor allem meine Rolle der lustigen, kompetenten, immer fröhlichen und kommunikativen Therapeutin erschöpfte mich über alle Maße. Ich begann viele Situationen zu vermeiden, ich fuhr kein Fahrstuhl mehr, auch keine Strassenbahn, beim Autofahren war ich super nervös und hatte Angst, dass etwas passiert. Ich hatte Angst Sport zu machen oder in die Sauna zu gehen. Ich bekam überall Attacken, auch im Supermarkt, häufig an der Kasse. Unser Sozialleben reduzierte sich quasi auf null, weil ich mich nirgendwo mehr hintraute oder mich der Umgang mit dem Außen richtig anstrengte. Ich konnte nicht mehr alleine sein, tagsüber ging es irgendwie, doch abends und nachts brauchte ich jemanden an meiner Seite. War ich nachts doch mal allein, schlief ich keine Minute. Gewitter steigerten sich in exponentielle Belastungssituationen. Ich sprach zwar mit meinem Mann, dass es mir nicht gut gehe und ich ließ dies auch mal bei anderen anklingen und doch erzählte ich niemandem was in mir vorging. Vielleicht hätte ich doch Schauspielerin werden sollen, denn ich spielte meine Rolle so gut, dass keiner etwas merkte und viele aus allen Wolken fielen, als ich viel später begann offen über meine Ängste und mein Leben damit zu sprechen. Ich schämte mich, ich traute mich nicht mich jemanden anzuvertrauen, zuzugeben, dass ich schwach bin. Damals dachte ich noch, dass es was mit Schwäche zu tun hat ( Lies dazu auch meinen Artikel über Verletzlichkeit Sich verletzlich zeigen heißt mutig sein- Echt jetzt?). So begann innerhalb kürzester Zeit ein heftiger, einfach nur anstrengender und belastender Abschnitt meines Lebens, der gleichzeitig der Beginn meines Weges zu mir zurück war. Zu diesem Zeitpunkt war er ein Minipfad aus Geröll direkt am 100 Meter tiefen Abgrund, den ich ohne Wanderschuhe und Stöcke strauchelnd, krabbelnd, kletternd einfach irgendwie bewältigte. Ich kann mich übrigens noch genau an den Tag meiner ersten Panikattacke erinnern, als wäre es gestern gewesen. Wohingegen die Zeit danach sehr schwammig ist und ich mich nur an meine Angst erinnere.

Wie ging es weiter

Nach allen Checks war klar, ich bin nicht krank, zumindest nicht organisch. Mein damaliger Hausarzt wollte mir zwar einen Bluthochdruck andrehen, zum Glück entschied ich mich gegen eine medikamentöse Behandlung, denn dieser war nur ein Symptom meiner Angst. Nach einigen Wochen war mir klar, dass die Angst woanders herkommen muss und ich begann mich damit auseinander zusetzten. Ich recherchierte im Internet und las mich durch Foren, Beiträge, Artikel, Bücher uvm. Zu diesem Zeitpunkt fand ich leider nur negativ Bespiele, Geschichten von Betroffenen die starke Medikamente nahmen, trotz Klinikaufenthalten und Psychotherapie keine Chance auf Heilung sahen und viele psychoanalytische Ideen warum, wieso, weshalb man an einer Angst und Panikstörung erkrankt. Es fühlte sich an wie ein lebenslanges Urteil und das habe ich tatsächlich auch häufig gehört, dass ich ab jetzt mein Leben lang krank sein werde. kann ich heute voller Überzeugung sagen, dass ist es nicht, es kann vor allem die Chance deines Lebens sein. Spannend ist auch um so mehr ich las um so schlimmer wurde es manchmal. Ich bekam Symptome von denen ich bei anderen gelesen hatte selber und spürte dann schnell, dass ich professionelle Hilfe brauchte. Ich machte mich also auf die Suche nach einem Therapeuten, gar nicht so einfach, die meisten hatten erst in Monaten freie Termine. Doch ich fand eine Therapeutin, eine Psychologin. Schon damals war mir wichtig, dass es ein Psychologe/in mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie wird und keine Psychoanalyse war, denn das Eintauchen in meine ödipalen, analen und sonst was Phasen widerstrebten mir aufs Tiefste. Trotz aller Ängste, Lebensprobleme, dem täglichen Kampf mit mir und meiner Welt, ja damals was es ein purer Kampf ums Überleben, spürte ich ganz tief in mir ein Wissen darum, dass es Heilung gibt und es mein Weg ist, der für mich vorgesehen ist. Ich bekam einen Termin zum Erstgespräch. Schon beim Eintreten und der Begrüßung mit der Psychologin spürte ich ein Unwohlsein und schob es aber erstmal auf meine Unsicherheit. Doch irgendwie führte dies dazu, dass ich ihr nur von meiner Flugangst erzählte, dass ich da Angst hätte zu sterben. Ihr Kommentar erstaunte mich dann doch, denn sie sagte ich solle mich nicht so anstellen, man wisse doch das Fliegen das sicherste Verkehrsmittel sei. Damit war es dann aber auch erledigt mit der Psychologin und mir. Ich ging nicht mehr wieder hin und versuchte einfach alles auszuhalten und mich weiter im Internet zu informieren bzw. ein Lösung für mein Problem zu finden.

Höhen und Tiefen

Die folgende Zeit war geprägt von emotionalen Achterbahnfahrten, immer wieder innerlichen Erschütterungen, Sturm, sehr dunklem Himmel, dann auch wieder Höhenflüge mit Sonnenschein. Ich lebte aber meist auf Sparflamme mit einem dunstigen Schleier um mich herum. Schlechter Schlaf, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Schwindel und andere körperlichen Symptome waren für mich alltäglich, doch habe ich sie lange Zeit nicht mit meinen Ängsten, meinen Panikattacken und was dazugehörte in Verbindung gebracht. Ich sah alles als einzelne Phänomene, die mir das Leben schwer machten. Das dies Hilfeschreie meiner Seele und des Körpers waren, dies zu begreifen hat seine, besser gesagt meine Zeit gedauert. Doch auch wenn ich gute Zeiten hatte, zum Beispiel unsere Hochzeit im März 2014 und die darauffolgende Hochzeitsreise im Camper durch Italien und Frankreich mit vielen wunderbaren Momenten, tollen Erlebnissen, lieben Menschen denen wir begegneten, war es immer so als würde ich dabei zuschauen wie ich mein Leben lebe, ich stand neben mir. Ich versuchte mit aller Kraft die Kontrolle zu behalten, mich immer in Sicherheit zu halten und forderte mich dabei selbst in höchstem Maße heraus.  Einen weiteren tiefen Punkt erinnere ich auch sehr gut, denn damit sind bei mir immer Wendepunkt verbunden, die einen Prozess angeregt haben und ich ins Wachstum kam. Wir waren fast am Ender unsere Reise und verbachten einige Tage in Charmonix am Mont Blanc. Wie hatten wir es uns schön ausgemalt dort mit der Gondel hochzufahren, den sagenhaften Ausblich zu genießen und eine Wanderung zu machen. So standen wir also an der Talstation und nichts ging mehr. Meine Beine versagten ihren Dienst, wie angewurzelt konnte ich nicht weitergehen und dachte nur, wenn ich da einsteige sterbe ich. Ich hatte so große Angst, ich zitterte und schaffte trotz allem meinem Mann zu sagen, dass ich doch lieber erstmal ein Stück nach oben wandern wollte. Ich habe ihm nicht gesagt, dass ich Todesangst habe, ich habe versucht fadenscheinige Erklärungen zu finden, wie ist doch viel zu teuer mit der Gondel zu fahren und außerdem ist die Sicht oben bestimmt ganz miserabel. Das mit den Erklärungen läuft echt reibungslos, was einem da so alles einfällt. Ehrlich gesagt weiss ich gar nicht, ob er mich durchschaut hat und mich nicht auflaufen lassen wollte oder, ob er tatsächlich nicht gemerkt hat, wie groß meine Angst war. Wir wanderten also ein kleines Stück nach oben und mit jedem Schritt merkte ich wie fertig ich war, wie körperlich geschwächt und erschöpft. Die Tränen begannen zu laufen und bald weinte ich hemmungslos. In diesem Moment konnte ich dann auch laut aussprechen, dass nur die Vorstellung mich in diese Gondel zu setzte mir Todesangst macht. Und obwohl mein Mann diese Art von Angst gar nicht kennt, somit also nicht nachempfinden kann was da in mir vorging, reagierte er in dieser Situation sehr unterstützend. Er war zwar irritiert über die Heftigkeit meiner Problematik, hat mir aber gleichzeitig das Gefühl gegeben nicht alleine zu sein und in ihm immer einen Unterstützer zu haben. In diesem Moment entschied ich mich sobald wir wieder zuhause waren, mir erneut Hilfe zu suchen, denn es war sonnenklar, dass ich das nicht allein schaffen konnte. In mir hatte ich auch immer wieder Anteile, die dachten, dass es bestimmt jemand gebe der die Lösung für mich habe, klar müsste ich schon was tun, aber bestimmt weiß da jemand was und wie ich es tun muss. Das dies genau nicht der Weg ist um wirklich in die Heilung zu kommen, naja das erfuhr und erlebte ich dann nach und nach.

Beginn meiner Psychotherapie

Nach unserer Reise zogen wir mit Sack und Pack aus Heidelberg nach Dinslaken. Hier wollten wir einen neuen (für Eugen ) und für mich auch alten (bin ja hier aufgewachsen) Lebensort finden. Ich begann wieder in der Praxis meiner Mutter zu arbeiten und Eugen fand auch schnell eine Anstellung, die ihm gefiel. Gleichzeitig war er mitten in der Osteoapthie Ausbildung und auch ich hatte mich für eine große Weiterbildung im Herbst angemeldet. Wir richteten uns ein und ich entdeckte kurze Zeit später, dass ich schwanger war. Nach dem ersten Schock, freuten wir uns sehr und ich musste einige Dinge klären, denn ich hatte keinen Immunschutz und war somit sofort im Beschäftigungsverbot. In der 8. Woche bekam ich Blutungen und wusste sofort, dass ich eine Fehlgeburt hatte. Ein Termin bei meiner Frauenärztin bestätigte meinen Verdacht. Tja was soll ich sagen, wenn ich heute zurück schaue und mich erinnere, bin ich fast schockiert wie emotionslos ich das aufgenommen habe und damit umgegangen bin. Klar war ich etwas traurig und ich fragte mich wo das Problem gelegen hat, doch mein erster Gedanke war, ach dann kann ich ja wieder arbeiten und die Praxis führen. Es kam also so, dass ich quasi sofort wieder weiter arbeitete, als wäre nichts gewesen. Und ich verspürte auch keine Trauer oder Verlust, es war einfach so. Ich konnte mir das auch gut erklären, es sollte nicht sein, besser jetzt so früh als später und die Natur hat sich bestimmt dabei was gedacht. Ja alles legitim und gleichzeitig null angepasst. Aber das spürte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich hatte mich schon vor der Nachricht der SSW auf den Weg gemacht und versucht einen Therapeuten zu finde. Das war zeitlich und nervlich frustrierend und echt langwierig, denn im Umkreis von 20 km hatte keiner einen Platz und viele hatten jahrelange Wartezeiten. Ich weiss noch wie wütend ich war und nervlich am Ende, das Angst und Panik anscheinend keine Akut-Indikationen waren, denn ich war ja keine Gefährdung für mich oder andere. Auch ein Klinikaufenthalt war eigentlich keine Option, ich kannte keine gute Klinik und hatte große Sorge, dass durch falsche Therapie es noch schlimmer werden könnte, wie ich es schon oft gehört hatte. Durch Zufall und zu meinem Glück erfuhr ich vom Kostenerstattungsverfahren für Psychotherapie. Hier der Link zur ausführlichen Beschreibung: Kostenerstattung Psychotherapie     Im Grunde bedeutet das, dass man sich auch an einen Therapeuten ohne Kassenzulassung wenden kann, wenn man vorher alles andere ausgeschöpft hat. Somit bekam ich dann verhältnismäßig schnell im Sommer schon einen Termin zum Erstgespräch. Die Beantragung der Kostenerstattung hat glaube ich 8 Wochen gedauert und ab da hatte ich wöchentliche Sitzungen. Der erste Eindruck meines Therapeuten war total positiv und beruhigend, ich fühlte mich wohl und konnte mir gut vorstellen mit ihm zu arbeiten. Ich will hier nicht auf jedes Detail der Therapeutischen Intervention eingehen, doch möchte ich kurz erzählen, dass ich eine Mischung aus unterschiedlichen Methoden kennenlernen durfte und auch viele Übungen mitbekommen habe. Im Nachhinein und auch schon währenddessen wurde mir auch hier zu viel über Dinge in der Vergangenheit gesprochen, wer was wann wie getan hat, welche Probleme ich mit meiner Mutter und wem auch immer habe, und zu wenig über das Hier und Jetzt und das ins Tun kommen. Sehr gut möglich ist dabei, dass ich mich nicht so geöffnet habe, wie es dafür vielleicht gebraucht hätte und es an einigen Stellen auch sehr wichtig war, vergangenes zu klären und aufzuarbeiten. Doch es war mein Weg und den sollte ich genauso gehen, wie ich es getan habe und heute immer noch gehe. Ich bin sehr dankbar, dass genau dieser Therapeut in mein Leben getreten ist, er hat mir geholfen viele Türen zu öffnen und eine gute Basis für meine Transformation bereitet. Die Ängste und auch die Panikattacken sind dadurch nicht weniger geworden, sie haben etwas an Dramatik verloren, zumindest für eine kurze Zeit, und ich hatte Handwerkszeug um zu reagieren, zB mit Atemübungen und Stopptechniken. Genaue Tools die mir geholfen haben, möchte ich gerne in einem separaten Artikel beschreiben, um für mich die Struktur und Übersichtlichkeit zu erhalten.

So geht es weiter – Angst ist mein Leben

Wenn ihr euch fragt wie es mir so ging, dann würde ich sagen, ach ging doch ganz gut. So kann man sich die Welt auch erklären. Wir lebten unseren Alltag, ich arbeitete in der Praxis, übernahm hier immer mehr Aufgaben, stellte mich selber unter wahnsinnig hohen Druck, war genervt vom Leid der Patienten und hatte eine Panikattacke nach der anderen, auch am Patienten. Ich war im Grunde maximal gestresst und versuchte allen alles Recht zu machen. Ich spielte meine Rolle perfekt und das kostetet mich jede Energie die ich aufbringen konnte. Bombastische Kombination würde ich sagen. Ich startete auch noch eine wichtige, große Weiterbildung bei der ich 2 Wochen in Bremen verbachte. Tolle Stadt, tolle Menschen, viel Spaß und gleichzeitig Erschöpfung durch spielen meiner Rolle und fast nicht vorhandenem Schlaf, weil alleine schlafen konnte ich schon lange nicht mehr. Auf dem Rückweg überrollte mich im Auto in einer Baustelle eine Panikattacke vom Feinsten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr wie ich diese ausgehalten habe, wie ich nach Hause gekommen bin. Ich erinnere mich, dass ich mich als ich zuhaue war gefühlt habe, als sei ein LKW über mich gerollt. Zum Glück hatte ich zumindest begonnen mit meinem Mann etwas intensiver über meine Ängste und Attacken zu sprechen, so konnte er sich sofort auf mich einlassen und hat mich sehr unterstützt. Doch weiterhin wusste keiner davon, so startete ich in der nächsten Arbeitswoche von vorne und begab mich immer weiter in meinen persönlichen Strudel.

Jahresabschluss/ Jahreswende – erneuter Wendepunkt

Zum Jahresende hatten wir uns mit Freunden in Spanien verabredet, wir wollte nach Weihachten über Sylvester dort hinfliegen. Fliegen war noch nie meine liebste Beschäftigung und ich spürte eine große Abneigung überhaupt schon die Flüge zu buchen. Doch ich dachte, ich schaff das schon, ging ja bisher auch irgendwie. Vorher kaufte ich mir ein Buch mit CD Frei von Angst und Panik und arbeitet täglich mit ihr. Gleichzeitig bekam ich von meinem Hausarzt ein Notfall Medikament, was ich ruhig nehmen könnte, wenn ich es bräuchte. Ich war also bestens vorbereitet. Ich malte mir aus wie ich der netten Stewardess sagen würde, dass ich Flugangst hätte und es am Ende doch alles nicht so schlimm werden würde wie ich denke. Pustekuchen denn jetzt wird es richtig spannend. Wir starteten früh morgens und machten uns auf den Weg im Auto nach Eindhoven, hier hatten wir auch einen Parkplatz gebucht. Ich war schon die Tage vorher über nervös, habe sehr unwohl gefühlt und miserabel geschlafen. Kurz vor Eindhoven begann ich zu zittern, ich hatte nur noch einen Gedanken im Kopf, ich werde sterben, wenn ich in dieses Flugzeug steige sterbe ich. Ich begann zu weinen und sagte immer wieder, ich schaffe das nicht, ich schaffe das nicht. Mein Mann ermutigte mich eine Tablette vom Notfallmedikament zu nehmen und das tat ich auch, denn ich wollte so sehr in diesen Urlaub, wir hatten uns so gefreut. Und gleichzeitig fühlte ich mich als völlige Versagerin und wollte kämpfen. Was machte diese Tablette also, sie fuhr alle körperlichen Symptome runter nur „leider“ nicht meine Gedanken. Mein Hirn feuerte Sicherheitswarnungen und drehte noch mehr auf. Trotzdem gaben wir am Flughafen unser Auto ab und gingen zur Abflughalle. Doch ab hier keine Chance, ich konnte nicht weitergehen. Ich weinte und zitterte, ich war wie von Sinnen. Mein Mann entschied dann, dass wir umkehren unser Auto holen und nach Hause fahren. Natürlich merkte ich, dass er traurig und enttäuscht war und ich machte mir auch noch elendige Vorwürfe. Zuhause fiel ich ins Bett und schlief fast zwei Tage durch. Ich war fix und fertig und so erschüttert, was da passiert war. Wir entschieden uns für 3 Tage ins Sauerland zu fahren, Hotel mit Wellness, wandern, frische Luft, zeit zusammen und erholen. Die Zeit dort war wirklich gut für uns als Paar und auch einzeln. Ich ruhte mich sehr viel aus und Eugen wanderte, gemeinsam gingen wir schwimmen, essen, ins Kino und genossen die Zweisamkeit. Währenddessen keimte in mir die erste Idee, dass so wie mein Leben gerade läuft es nicht weitergehen kann. Leise begann ich mir Fragen zu stellen, es tauchten spontane Gedanken auf, die sich aber nicht sofort greifen ließen. Ich ging wieder auf Forschungsreise im Internet und plötzlich stieß ich auf Menschen die auch Angst und Panik hatten, dies aber nicht als lebenslanges Urteil sahen. Einige sogar schon befreit, viele auf dem Weg und alle teilten ihre Erfahrungen. Ich fühlte mich nicht mehr allein und begann Hoffnung zu verspüren, ganz sachte und vorsichtig, doch es war ein Samen gesetzt. Tief beeindruckt hat mich vor allem Mischa Miltenberger der auf seinem früheren Blog Adios Angst- Bonjour Leben grandiose Artikel geschrieben hat, er schreibt heute auch noch grandios, dies aber unter seinem Namen Mischa Miltenberger Seine ehrliche und radikale Offenheit hat etwas in mir wach gerüttelt, zumindest begann es schonmal mit einem kurzen Augenzwinkern. Bei Janet Menzel von ich-habe-auch-angst habe ich auch jeden Artikel verschlungen und fühlte mich verstanden. Es tat mir so gut Gleichgesinnte zu entdecken und ich begann mich auch immer mal jemandem anzuvertrauen, doch meine Scheu über meine Angst zu sprechen blieb, ich schämte mich und fühlte mich schwach, halt wie eine Versagerin. Und das sollte auch noch einige Zeit so bleiben.

Ende gut alles gut?

Nein, ich hatte gerade erst begonnen auf meinem Weg zu gehen, doch war und ist dieser noch lang und anstrengend. Er war ab da nicht mehr nur Geröll, immer mal gab es feste Abschnitte, an den Seiten wachsen Pflanzen auch mal wunderschöne Blumen. Es gab schattige Plätze unter imposanten, schützenden Bäumen, an denen ich mich ausruhen konnte und dann wieder gab es Platzregen, Sturm und sengende Hitze.

So geht es weiter und ich hoffe ihr habt Lust noch mehr zu erfahren. Ich spüre eine wahnsinnig Freude beim schreiben und mehr Leichtigkeit beim aufarbeiten. Doch für heute soll es genug sein und ich werde für das Jahr 2015 und folgende einen oder vielleicht sogar mehrere neue Artikel schreiben. Kontaktiert mich gerne!

 

Bis bald,

Eure Lisa